Am vergangenen Donnerstag (09. Juli 2026) traf sich die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Ludwigsburger Kreistag in den Steillagen zwischen Mundelsheim und Hessigheim.
Mit dabei war vor Ort die zuständige Dezernentin für Umwelt, Technik und Bauen des Landkreises, Kristin Wagner. Ziel des Termins war es, sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Damit wollten die Grünen die, im März nach Ludwigsburg gekommene, Dezernentin für das wichtige Thema sensibilisieren.
An Enz und Neckar prägt der Weinbau Landschaft und Identität. Aus diesem Grund geht die Zukunft der Steillagen nicht nur Bewirtschafter und Winzer an, sondern auch die Kommunalpolitik. Mit dem Umbruch im Weinbau steht der Landkreis mit seinen rund 300 Hektar an terrassierten Steillagen vor großen Veränderungen.
„Viel zu lange hat die Politik so getan, als könnte man mit der Fördergeld-Spritze den Strukturwandel aufhalten“, meint Daniel Christen und mahnt zur Ehrlichkeit. Dabei werde die Veränderung im Weinberg durch den Generationenwechsel und sinkende Absätze auf dem Weltmarkt beschleunigt. „Wer die Kultur des Weinbaus erhalten möchte, muss zugleich offen sein für eine neue Nutzung des Großteils der Flächen“, ergänzt Christen. Aus Sicht der Fraktion braucht es ein Zielbild, um Kernflächen für den Weinbau definieren und schützen zu können.
„Aus Sicht der Bewirtschafter sollten Weinbauflächen zusammenhängend sein. Nur so kann etwa beim Pflanzenschutz effizient gearbeitet werden“, betont Fraktionskollegin Edda Bühler. Brachflächen zwischen Weinbergen erschweren die Arbeit. Vor allem, wenn diese nicht gerodet wurden. Dann wird ein Weinberg schnell zum „Multispreader“ von Krankheitserregern. Aus diesem Grund haben Kommunen seit dem letzten Jahr die Möglichkeit, in ungepflegten Weinbergen die Rodung anzuordnen. Diese Möglichkeit sollten sie auch nutzen.
Mit Blick auf die Neckarschleife stellt sich für die Grünen Kommunalpolitiker die Frage, wie sich das Landschaftsbild verändern wird, wenn sich der Weinanbau zurückzieht. Bei ihrem Rundgang konnten die Kreisrätinnen und Kreisräte die Entwicklungen im Hessigheimer Mühlberg betrachten, wo ein Großteil der Weinberge aufgegeben wurde. Dahingegen wird im Mundelsheimer Käsberg viel Kraft in den Erhalt des Weinbaus gesteckt – mit Erfolg.
Kreisrat Daniel Christen erklärt, warum unbewirtschaftete Flächen zum Problem werden können.„Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos“, stellt Christen im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen fest. Hoffnung machen die zahlreichen innovativen Initiativen und Projekte, die in den vergangenen Jahren im Landkreis entstanden sind. „Aktuell wird der Weinberg als Hobby wieder attraktiv“, meint Christen mit Verweis auf Initiativen, die den Einstieg in die Weinbergarbeit erleichtern. Die Arbeit draußen wird zum Ausgleich nach langen Bürotagen. Die Pflege des Weinbergs wird zum Ersatz für das Fitnessstudio.
Dass der Weinbau im Landkreis seinen Platz auch in Zukunft hat, zeigen auch die erfolgreich am Markt platzierten Premium-Weine verschiedener Betriebe, die hier ansässig sind. Böden, Klima und Lage ermöglichen die Produktion hervorragender Weine. Wichtig ist dabei, dass die Verbraucher den Wert der Qualität erkennen und entsprechend bezahlen. „Wer beim lokalen Winzer einkauft, unterstützt nebenbei den örtlichen Naturschutz“, ergänzt Bühler. Schließlich ist die Biodiversität in den schonend bewirtschafteten Terrassen außerordentlich groß.
Vom Landratsamt fordern die Kreisräte eine Genehmigungspraxis, die Spielräume voll ausnutzt und neue Konzepte ermöglicht. Nur so kann ein übereilter Strukturbruch vermieden werden. Von Seiten der Behörden sollte daher großes Wohlwollen gegenüber der mutigen Weinbergschaffenden an den Tag gelegt werden. Wer hier investiert, verdient Unterstützung. Wer lokal etwas für die Steillagen tut, braucht nicht noch mehr Steine auf dem Weg.