Beschlussvorlage zur Kreismitgliederversammlung am 08. April 2026
Beschlussvorschlag
(1) Die Kreismitgliederversammlung beauftragt den Kreisvorstand, die Planungen für die erste Parteiwerkstatt am 14. und 15. November 2026 voranzutreiben und diese Veranstaltung als ergebnisoffene Auftakttagung für die anstehenden Strukturdebatten zu konzipieren. Für die entstehenden Kosten gibt die Kreismitgliederversammlung ein Budget i.H.v. EUR 8.000,00 frei.
(2) Der Kreisvorstand wird beauftragt, zur Kreismitgliederversammlung am 18. Juni 2026 einen Vorschlag zu erarbeiten, inwieweit die Präsenz in den sozialen Medien langfristig ausgebaut und professionalisiert werden kann und zu prüfen, wie hoch der zu erwartende finanzielle Aufwand dafür sein wird.
Begründung
Knapp drei Jahre liegen zwischen der vergangenen Landtagswahl und der nächsten Bundestagswahl im Frühjahr 2029. Diese Zeit ohne Wahlkämpfe ermöglicht es uns, durchzuschaufen und uns in Teilen neu zu sortieren. Wir wollen diese Zeit nutzen, um unsere Parteiarbeit zu stärken. Dabei wollen wir keine Zeit verlieren und möchten als Kreisvorstand die Debatten gleich jetzt lostreten.
Die grüne Partei hat sich in den letzten zwei Jahren nochmals deutlich verändert. Wir haben massiv an Mitgliederstärke zugelegt. Politisch haben wir im Bund in die neue (alte) Rolle als Oppositionskraft zurückgefunden. In Baden-Württemberg sind wir auch nach Kretschmann weiterhin Volkspartei, was heißt: Die progressive, grüne Idee von Staat und Gesellschaft ist eine, die von den Menschen gewollt ist.
Im Landtagswahlkampf 2026 kamen einige Strukturäderungen erstmals zum Tragen. Wie es anfänglich nicht anders sein kann, sicher auch mit Kinderkrankheiten und Reibungen. Allerdings dürfen wir uns alle auf die Schultern klopfen: Dieser Landtagswahlkampf war der stärkste, den wir bisher gestemmt haben. Noch nie war so viel Budget in der Wahlkampfkasse, was maßgeblich mit der Etablierung der neuen Finanz- und Beitragsordnung zusammenhängt. Noch nie war eine größere Anzahl an Helferinnen und Helfern auf den Straßen im Einsatz. Noch nie haben so viele Menschen unsere Veranstaltungen besucht. Erstmals haben wir gezielt in qualitatives Bildmaterial investiert, um die digitale Präsenz attraktiver zu gestalten. Im Hintergrund haben sich die Wahlkampfteams unserer drei Wahlkreise unterstützt und zusammengearbeitet. Die Kreisgeschäftsstelle hat administrative Aufgaben gesammelt übernommen. So wurde Zeit und Energie frei, die besser in Kreativität und Engagement auf der Straße umgesetzt werden konnte.
Aus den vielen positiven Erfahrung im Wahlkampf nehmen wir mit, dass wir als Kreisverband gemeinsam sehr viel erreichen können. Wir sind stolz auf diesen Erfolg. Zugleich haben wir Stellschrauben identifiziert, an denen wir unserer Erachtens nach besser werden können und müssen. Mit Euch wollen wir unsere Parteiarbeit im Kreis Ludwigsburg weiterentwickeln: Mit Zusammenhalt und Schlagkraft.
Stellschraube 1: Politisches Ehrenamt attraktiver gestalten.
Im Kreis Ludwigsburg gibt es mittlerweile rund 1200 grüne Parteimitglieder. Eine überwältigende Zahl. Schätzungsweise konnten wir bisher jedoch nur rund 15 % dieser Personen für ein Engagement gewinnen, dass über die Zahlung eines Mitgliedsbeitrags hinausgeht. Wir denken, dass es noch Potentiale gibt, um mehr Mitglieder zum Mitmachen zu bewegen. Aus diesem Grund möchten wir über die Attraktivität des politischen Ehrenamts nachdenken.
Uns ist bewusst, dass das Ehrenamt in allen Bereichen unter Druck steht. Das gesellschaftliche Leben und persönliche Rahmenbedingungen haben sich so verändert, dass klassische Vereinsaktivitäten und Wahlämter weniger stark nachgefragt werden. Im Aufwind sind hingegen projektbasierte und zeitlich begrenzte Formen des Engagements. Selbstwirksamkeit und Spaß sind zwei wichtige Schlagwörter. Wir denken, dass wir als Partei durchaus mit diesem Trend umgehen und entsprechende Angebote schaffen können.
Doch auch in den klassischen Strukturen werden wir vermehrt Probleme erkennen. Schon heute haben wir Ortsvorstände, die nicht oder nur schwer besetzt werden können. Auf der anderen Seite treten Mitglieder an uns, die gerne konkrete Projekte umsetzen würden und die Strukturen dazu nicht vorfinden. Aus unserer Sicht müssen wir über die Aufgabenverteilung zwischen Ortsverbänden, Kreisverband und Mitgliedern sprechen. Administrative Aufgaben können professionalisiert werden und sollten von den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle erledigt werden. So können wir die Ehrenamtlichen entlasten. Projektideen brauchen einen Raum zur Umsetzung – auch über Gemeindegrenzen hinweg. Politisches Ehrenamt sollte wieder mehr inhaltliche Arbeit und menschlicher Kontakt sein. Das geht nur vor Ort und nicht am Telefonhörer.
Stellschraube 2: Inhaltliche Arbeit im Gesamtkreis schlagkräftiger gestalten.
Zwischen den Wahlkämpfen ist auch wieder Zeit, um inhaltlich zu arbeiten. Dafür, grüne Ideen für Klimaschutz, Gerechtigkeit und Zukunft zur Realität werden zu lassen. Dabei sollten wir allerdings vor einer kritischen Selbsteinschätzung nicht zurückstecken. Wir sind nicht schlagkräftig genug, wenn es darum geht, unsere politische Idee durchzusetzen. Das mag zum Teil an der bürgerlichen Mehrheit in vielen Gremien liegen. Einen wesentlichen Grund sehen wir jedoch woanders: Wir müssen uns mehr zutrauen und scharfsinniger agieren.
Dazu gehören Strukturen, die uns ermöglichen, unsere Fürsprecher zu mobilisieren, wenn wir sie brauchen. Als Partei ist es unsere Aufgabe, die Stimmung in der Bevölkerung FÜR unsere Themen auf unsere Seite zu bringen. Mit allen kommunikativen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.
Die Etablierung des grünen Kreisrats als Vernetzungs- und Strategiegremium zwischen den Fraktionen und Parteigremien war ein erster, richtiger Schritt. Diesen Weg der Zusammenarbeit wollen wir weitergehen. Im Flächenlandkreis Ludwigsburg können wir nur als Team stark sein. Unsere Mandatsträger können im Ehrenamt nicht auch noch Kommunikation, Strategie und Programmatik übernehmen. Hier brauchen wir als Partei, die den Anspruch hat mitzugestalten, neue Strukturen, die für Rückhalt sorgen. Künftig wollen wir als Grüne eine laute Stimme entfalten können, die im Landkreis Ludwigsburg nicht zu überhören und nicht zu ignorieren ist.
Stellschraube 3: Netzwerke verfestigen.
Als Basispartei machen wir gerne alles selbst. Wir sind es gewohnt, zu schaffen. Von der Idee zum Plakat sind es oft viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Die Veranstaltung ist perfekt vorbereitet. Das Konzept ist ausgefeilt. Und am Ende kommen nur eine Hand voll Leute. Das ist schade und wird dem Arbeitsaufwand nicht gerecht. Aus unserer Sicht wird in diesem Beispiel ein großes Defizit sichtbar. Wir müssen besser Netzwerken und persönliche Daten geordnet aufbewahren.
Wir möchten als Kreispartei dahin kommen, dass es etwa einen Verteiler aus uns zugewandten Personen gibt, die bei einer Veranstaltung zu einem für diese Zielgruppe interessanten Thema aus dem ganzen Landkreis eingeladen werden können. Wir möchten dafür sorgen, dass es überall im Landkreis grüne Fürsprecher außerhalb der Mitgliederschaft gibt, die im Einzelfall aktiviert werden können und für uns Grüne ihre Stimme erheben. Der Aufbau dieses Netzwerks wird nur über persönliche Kontakte gehen und viel Zeit in Anspruch nehmen. Es darf uns daher nicht mehr passieren, dass beim Neujahrsempfang Menschen den Raum verlassen, ohne in ein Gespräch verwickelt worden zu sein.
In diesem Papier stellen wir große Fragen in den Raum, ohne diese nur annähernd zufriedenstellend auf knapp drei Seiten beantworten zu können. Dieser Antrag soll einen Anstoß geben für die Gespräche, die es nun zu führen gilt und die Entscheidungen, die wir in den nächsten drei Jahren mit Euch treffen wollen. Als Auftakt schlagen wir eine interne Veranstaltung vor: Bei unserer ersten Parteiwerkstatt am 14. und 15. November 2026 möchten wir mit Euch zunächst endlich mal wieder in der Breite politisch diskutieren, um anschließend strukturiert unsere Parteiarbeit neu aufzustellen.
Stellschraube 4: Digitales Auftreten professionalisieren.
Es gibt eine zweite Realität: Ein Großteil der Bevölkerung informiert sich fast ausschließlich im digitalen Raum und wird weder von unseren Printmedien noch von ausgefeilt kreierten Pressemeldungen erreicht. Es braucht ein weiteres Standbein in der Kommunikation auf den sozialen Medien.
Wir möchten dabei jedoch auch keinen falschen Eindruck erwecken. Soziale Meiden funktionieren durch Personifizierung (eine Geschichte verfängt eher als ein Veranstaltungs-hinweis) und Professionalisierung. Selbst Inhalte, die hausgemacht aussehen, sind auf Instagram, TikTok und Co. von Hauptberuflichen und Agenturen erstellt. Einen digitalen Auftritt auf die Beine zu stellen, der dauerhaft das Niveau hält und im Kampf um die Aufmerksamkeit wettbewerbsfähig ist, ist nicht ohne professionelle Hilfe möglich.
Das heißt nicht, dass wir als Kreispartei und im digitalen zurückziehen wollen. Im Gegenteil: Wir schlagen Euch vor, gezielt und dauerhaft in Dienstleister zu investieren. Dabei brauchen wir eine Strategie, die Aktivitäten von Ortsverbänden, Fraktionen und Kreisverband gleichermaßen nach außen trägt. Mit Eurer Zustimmung möchten wir einen Vorschlag samt Kostenrahmen für die Professionalisierung unserer digitalen Inhalte erarbeiten.
Wir hoffen, dass ihr dieses Papier als Impuls versteht und so lest, wie wir: Als eine Vision einer starken Kreispartei, die zusammensteht, laut ist und motiviert zum Mitgestalten. Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit mit Euch.
Lasst uns Zukunft gestalten.
Euer Kreisvorstand
Amelie, Daniel, Katja, Lars und Udo